Unsere nächste Reise nach Russland
"Musikalisches Russland"
vom 2. bis 9. Juli 2012
Unsere nächste öffentliche
Zusammenkunft:
Dienstag, den 8. Mai, um 19 Uhr:
Hotel AQUA AURELIA Baden-Baden
(gegenüber CARACALLA-THERME)
>Saal Aurelian<
Ein russischer Mythos in Baden-Baden
Petra van Cronenburg liest und erzählt aus ihrem neuesten Buch
" Nijinsky. Annäherung an einen Mythos"
"Schnuppern" Sie 'mal rein!
Aktualisierung am 21.03.2012
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"Am 10. August 1862 um vier Uhr nachmittags wimmelte es vor der bekannten ‚Conversation’ in Baden-Baden von Menschen."
So beginnt der 1867 von Iwan Turgenev erschienene Roman »Rauch«. Da man weiß (»Badeblatt«, "Amtliche Fremdenliste" vom 21.8.1862, Liste der am 20. und 21.8.1862 angekommenen Personen) dass Turgenev im Jahre 1862 erst am 20. oder 21. August hier angekommen ist stellt sich die Frage, warum er in seinem Roman den 10. August gewählt hat. Die einfache Erklärung liegt darin dass Turgenev ja aus Russland kam und dort noch der julianische Kalender in Gebrauch war. Der 10. August nach dem julianischen Kalender war im damaligen Westeuropa der 22.August.
Weiter liest man dort auf der 2. Seite:
"Am ‚Russischen Baum »à l’Arbre russe« kamen unsere liebwerten Landsleute wie gewöhnlich zusammen; pompös, nonchalant, elegant fanden sie sich ein, begrüßten einander mit Grandezza, Ungezwungenheit und Charme, ganz wie es sich für Individuen geziemt, die auf der Höhe der modernen Bildung stehen, doch nachdem sie sich zusammengefunden und Platz genommen hatten, wussten sie beim besten Willen nicht, worüber sie sich unterhalten sollten, und begnügten sich entweder mit leerem Gewäsch oder mit den abgedroschenen, höchst gewagten und platten Ausfällen eines längst steril gewordenen französischen Exliteraten".
Mit dieser satirischen Beschreibung einer dekadenten russischen Aristokratie handelte sich Iwan Turgenev in Russland viel Kritik ein. Darum ging es auch in einem Streit zwischen Feodor Dostoevskij und Turgenev hier am 10.7.1867 bei dem Dostoevskij ihm empfahl, sich ein Fernrohr zu kaufen damit Turgenev sehen könne was in Russland vor sich gehe.
Vorne, von links nach rechts:
L. Livingston (New York), Fürstin Marie Obolenskij (St. Petersburg), Herr von Gay (Paris), Graf V. Sologub (russ. Schriftsteller, St. Petersburg), Fürstin Trubetzkoj (St. Petersburg).
Mittlere Reihe, von links nach rechts:
Baron von Bourqueney (Paris), Graf G. Blücher von Wahlstatt (Berlin), Gräfin Anna Baranov (St. Petersburg), Fürst Obolenskij, Fürstin Leonide Menchikov (Baden/-Baden).
Hintere Reihe, von links nach rechts:
Graf Kenneritz, Léon Aignan (Paris), Fürst Nikolaj Trubetzkoj (St. Petersburg), Heinrich Rheinboldt (Baden/-Baden), unbekannt, Graf Fedro.
Der Baum, auf diesem sehr wahrscheinlich 1859 auf der Promenade (heute: Kurgarten) entstandenen Foto, befand sich vor der "Bude" (damalige Bezeichnung der Geschäfte im Kurgarten) des Kaufmanns Heinrich Rheinboldt.
Dieses Foto, mit den darauf abgelichteten vorwiegend russischen Personen, ist in den Archiven und in der Literatur der einzige konkrete Hinweis dafür, dass es den von Turgenev beschriebenen "Russischen Baum" tatsächlich gab.
Diethard Schlegel hat anhand von alten Plänen den damaligen Standort dieses Baumes genau rekonstruieren können und dies in einem Aufsatz in dem Buch »Aquae 07«* dokumentiert.